Anselm Haverkamp

Die Zweideutigkeit der Kunst

Zur historischen Epistemologie der Bilder

Die Zweideutigkeit, die seit Anheben der Neuzeit für Kunst konstitutiv und erst spät in der Moderne als solche reflektiert wurde, liegt weder im rhetorisch geordneten Austausch dissonanter Bedeutungsaspekte, noch in schierer Unbestimmtheit. Die Bestimmungen, die sie konflikthaft zusammenbringt, verharren vielmehr in ihrer je eigenen Unschärfe, insofern Kunst ihre Gegenstände im Zustand „ungedachter Natur“ begreift – vor ihrer Gerinnung zu Motiven und gegen die Beruhigung oder Verdrängung, der sie alltäglich, sei es ideologisch, sei es ganz unideologisch routiniert, unterliegen. Anselm Haverkamp demonstriert diese Pointe am Beispiel des kuriosen, eiförmigen Gegenstands, der in Piero della Francescas Brera Madonna für semantische Unruhe sorgt und bis zu Warhol und zur Hängeleuchte der Firma Flos als ‚objet ambigu‘ Karriere gemacht hat.

Anselm Haverkamp ist emeritierter Professor of English an der New York University und Honorarprofessor für Philosophie an der Universität München. Zuletzt sind von ihm erschienen: Shakespearean Genealogies of Power (2011) sowie Hans Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie (Autor und Hg., 2013).

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Die Splitterwelt der Theorie

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I. Die Zweideutigkeit der Kunst

(Piero della Francesca, Michelangelo Buonarotti, André Kertész)

9

II. Theoriekritik im Iconic Turn. Texte zur Kunst

1. Der Schauplatz der Darstellung: Wolfgang Kemps Rezeption der Rezeptionsästhetik

53

2. Prekäre Parusie: Ivan Nagels Paragone der Bildeinflüsse

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3. Schnittpunkte im Äußeren: Horst Bredekamps Theorie-Akt

67

4. Deixis und ikonische Differenz: Gottfried Boehms Antwort auf Heidegger und Derrida

79

III. Unidentified Cultural Objects

Die Zeit der Kuratoren

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Abbildungsnachweise

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