Barbara Vinken

Eine Legende der Moderne

Flauberts Einfaches Herz

Flaubert Lectures I

Félicité, Flauberts normannisches Dienstmädchen von bestürzender Einfalt, hält die Leser seit Generationen in Atem: Moderne Heilige oder Frustrierte im Papageienfieber? – In ihrer Lektüre von Einfaches Herz verschränkt Barbara Vinken Flauberts Aneignung des Maria-Topos der Dienstmädchenliteratur mit der Analyse des Vogelreigens in der Malerei des 19. Jahrhunderts. Mit der Ersetzung der Taube, dem Symbol des geistigen Gottesboten, durch den Papageien, dem erotischen Liebesvogel par excellence, wird aus dem Versprechen der göttlichen Botschaft die geistlose mechanische Nachahmung menschlicher Rede. Einfaches Herz wird so als verkehrter Bildungsroman lesbar, in der Félicité als Nullpunkt moderner Subjektivität und darin zugleich als Paradigma des Zustandes der Sprache in der Moderne erscheint – eines Zustands, in der das Wort, aller zeugenden Kraft beraubt, nur noch toter Buchstabe ist. Das Buch erscheint im Rahmen der von Barbara Vinken herausgegebenen Flaubertvorlesungen des Centre Flaubert (München/Paris). In der Vorlesungsreihe entwerfen Philosophen, Literaturund Kunstwissenschaftler neue Perspektiven auf das Werk von Flaubert. Als nächstes erscheinen in dieser Reihe Texte von Jonathan Culler, Hans Ulrich Gumbrecht, Michael Fried, Jacques Rancière u.a.

Barbara Vinken ist Professorin für Allgemeine und Französische Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zuletzt sind von ihr erschienen: Flaubert. Durchkreuzte Moderne (2009), Arsen bis Zucker. Flaubert-Wörterbuch (2010) sowie Bestien. Kleist und die Deutschen (2011).

Inhaltsverzeichnis

Eine Legende der Moderne. Flauberts Einfaches Herz

7

I. Der ruinierte Zustand der Welt: Fortuna fatal

17

II. Mütterlichkeit, fleischlich und geistlich

25

III. Verkehrte Maria: Vögelgeschichten?

43

IV. Verkehrter Heiliger Geist

77

Abbildungsnachweise

88