Alexander García Düttmann

Naive Kunst

Ein Versuch über das Glück

Mit einem Nachwort von Christoph Menke

„Als sie in San Francisco lebte, zwei Jahre lang, wusste sie nicht, dass sie glücklich war. Gemerkt hat sie es erst, als sie wusste, dass sie bald nicht mehr in der Stadt leben würde. Jetzt lebt sie schon seit über zehn Jahren nicht mehr in San Francisco. Deshalb will sie versuchen, den Bildern das erlebte Glück abzugewinnen. Hat sie das erlebte Glück überhaupt erlebt?“

Das Gefühl des Glücks, dem Daphne, die Protagonistin in Alexander García Düttmanns erster Prosaveröffentlichung, nachspürt, entzieht sich nicht erst im Nachhinein der bewussten Vergegenwärtigung. Weil die Bedingung seiner Gegenwart Unwissenheit ist, übt sich Daphne in der Kunst der Naivität: das Glück in denjenigen „imitations of life“ erfahrbar zu machen, die mit ihrem Leben in San Francisco verbunden sind. Ihre Kunst ist eine Kunst der Verwandlung: Daphne baut ihre Erfahrung der Stadt wieder auf, sie schichtet Erinnerungsstein auf Erinnerungsstein, bis ihr dargestelltes Leben als das einer „Mrs. San Francisco“ erscheint – als singuläres Bild des Lebens der Stadt selbst.

Der erste Prosatext, der in der Kleinen Edition erscheint, trägt der Tatsache Rechnung, dass „Theorie“ nicht an die Form des theoretischen Textes gebunden ist. Ihre Einsichten entfalten sich auch dort, wo die Eigenart ihres Gegenstandes – die Nachträglichkeit des Glücks – eine ihm entsprechende Artikulationsform erfordert: eine zugleich prosaische und „naive“ Kunst.

Rezensionen:

» „Die Kunst des glücklichen Lebens“ – Carsten Hueck im DeutschlandRadio Kultur, 23.1.2012

» „Sucht nach Versuchung“ – Andreas Platthaus in der FAZ, 25.2.2012

Alexander García Düttmann ist Professor für Philosophische Ästhetik, Kunstphilosophie, Kulturtheorie und Kunsttheorie an der Universität der Künste in Berlin. Zuletzt sind von ihm erschienen: Teilnahme. Bewußtsein des Scheins (2011) sowie Was weiß Kunst? Für eine Ästhetik des Widerstands (2015).

Inhaltsverzeichnis

Naive Kunst. Ein Versuch über das Glück

Alexander García Düttmann

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Wer ist naiv?

Ein Nachwort von Christoph Menke

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