Gabriele Brandstetter und Beate Söntgen

Renaissancen der Passion

Flaubert Lectures IV

In ihrer Lektüre von Flauberts Hérodias untersucht Gabriele Brandstetter die weibliche Doppelfigur der Hérodias-Salome vor dem Hintergrund der orientalischen Renaissance. Die Auftritte dieser Figur folgen in Flauberts Erzählung einem Blickregime, das eine Dramaturgie der Macht inszeniert, die im hybriden Tanz der Salome gipfelt. Beate Söntgens Essay ist dem barocken Erbe gewidmet, das Eduard Manets Werk genauso wie Flauberts Schriften auszeichnet. Manets Malerei gilt als kühl; die Figuren zeigen keine Emotionen, und die theatralische Inszenierung, die offenkundigen Zitate und der Ateliergeruch lassen seine Bilder als Ergebnis emphatisch nüchterner Beobachtung erscheinen. Söntgen zeigt, dass bei Manet dennoch ein Nachleben des barocken affektiven Pathos am Werk ist, das Manet mit Flaubert teilt. Prägnant tritt es in den Bildern von Toten hervor, die nach christlicher Opferlogik gestorben, aber jeder Heilsperspektive beraubt sind.

Gabriele Brandstetter ist Professorin am Seminar für Theater- und Tanzwissenschaft der Freien Universität Berlin. Zuletzt sind von ihr erschienen: Tanz-Lektüren: Körperbilder und Raumfiguren der Avantgarde (2. erw. Aufl., 2013) sowie Dance (and) Theory (Hg. mit Gabriele Klein 2013).

Beate Söntgen ist Professorin für Kunstgeschichte an der Leuphana Universität Lüneburg. Zuletzt sind von ihr erschienen: „Sehen ist alles“. Wilhelm Leibl und die Wahrnehmung des Realismus (2000) sowie Tränen (Hg. mit Geraldine Spiekermann, 2008).

Inhaltsverzeichnis

Manets Pathos

Beate Söntgen

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ReNaissance des Orients. Flauberts "Hérodias": Der Tanz der Salomé

Gabriele Brandstetter

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