Björn Quiring (Hg.)

Theatrum Mundi

Die Metapher des Welttheaters von Shakespeare bis Beckett

Mit Texten von Martin Harries, Anselm Haverkamp, Julia R. Lupton, Andreas Höfele, Jane O. Newman und Christopher Wild

Das „Welttheater“ kann als eine der langlebigsten „absoluten Metaphern“ im Sinne Hans Blumenbergs gelten: Sie entwickelt sich, sobald sich das Theater selbst als Institution herausbildet, und sie wirkt bis heute nach. In dieser langen Karriere lassen sich mehrere Höhepunkte ausmachen, von denen der wohl prominenteste in der Frühen Neuzeit liegt – der „Shakespeare-Zeit“, in der sich das Problem der politischen, theologischen und ästhetischen Repräsentation besonders akut stellte.

Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Metapher zur Unterstützung diametral entgegengesetzter Standpunkte eingesetzt: Als ‚theatrum mundi‘ kann sowohl die gesellschaftliche Ordnung als auch die kosmische Ordnung bezeichnet werden; und die Metapher kann eingesetzt werden, um die Spannung zwischen diesen beiden zu verschleiern oder zu betonen. Die Bühne kann einerseits als evidenzschaffende und enthüllende, andererseits als täuschende, verbergende Instanz fungieren, und entsprechend kann die Metapher das Theater auf- oder abwerten. Diese Anthologie widmet sich den Fragen: Was gibt dieser Figur ihre Überzeugungskraft? Wie hat sie sich in verschiedenen Texten (speziell der Frühen Neuzeit) ausgeprägt? Und was hat von ihr überlebt?

Björn Quiring ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Zuletzt ist vom ihm erschienen: Shakespeares Fluch. Die Aporien ritueller Exklusion im Königsdrama der englischen Renaissance (2009).

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Björn Quiring

7

Out, out, brief candle: Shakespeare und das Welttheater der Gastfreundschaft

Julia Reinhard Lupton

31

Porträts der Hydra: Das Theater und die vielköpfige Menge

Andreas Höfele

61

They have their exists and their entrances: Überlegungen zu zwei Grundoperationen im Theatrum Mundi

Christopher Wild

89

Die Aporie der Allegorie: Das *theatrum mundi* des deutschen Trauerspiels

Jane O. Newman

137

Ein knebbes Ding in einem Wort: Ungedachte Natur in postlapsaren Welten und Zeiten

Anselm Haverkamp

167

Das Ende einer Trope für die Welt

Martin Harries

191

Zu den Autoren

218