Samo Tomšič

The Labour of Enjoyment

Toward a Critique of Libidinal Economy

Lacanian Explorations IV

Lust erscheint als reine Privatsache, ist sie aber nicht. Seit Aristoteles wird die philosophische Gesellschaftskritik von der Frage gequält, ob die libidinösen Strebungen der menschlichen Subjekte den Aufbau einer gerechten politisch-ökonomischen Ordnung unterstützen. In der Moderne schien dieses Problem vorerst überwunden zu sein. Der ökonomische Liberalismus und Utilitarismus behaupteten, egoistische Privatinteressen und gesellschaftliche Gerechtigkeit seien unmittelbar verbunden, und der Kapitalismus habe die libidinöse und politische Ökonomie in der bestmöglichen Weise zusammengebracht. Aber die politisch-ökonomische Landschaft erwies sich bald als wesentlich komplexer und widerspruchsvoller. An diesem Punkt intervenierte bekanntlich Marx’ Kritik der politischen Ökonomie. Eine weitere kritische Zuspitzung findet man bei Freud, dessen Konzeption des Unbewussten eine neue Kartographie des politischen Raums vorlegte und dessen Libidotheorie das Mitspiel des libidinösen Apparats beim Erhalten kapitalistischer Machtverhältnisse aufdeckte. Das vorliegende Buch erinnert an diese psychoanalytischen Einsichten und affirmiert ihre fortdauernde Aktualität – als einen politischen Ansatz der Psychoanalyse, den man als Kritik der libidinösen Ökonomie bezeichnen kann.

Samo Tomšič promovierte in Philosophie an der Universität Ljubljana, Slovenien, und ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter im interdisziplinären Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung an der Humboldt Universität zu Berlin. Zu seinen Publikationen zählen: The Capitalist Unconscious: Marx and Lacan (2015) und Jacques Lacan. Between Psychoanalysis and Politics (Hg. mit Andreja Zevnik, 2015).