Georges Canguilhem

Regulation und Leben

Mit einem Vorwort und aus dem Französischen von Thomas Ebke, herausgegeben von Maria Muhle

Die beiden in diesem Band vereinten Texte von Georges Canguilhem kreisen um die Geschichte zweier Begriffe, die auch für die Befragung der gegenwärtigen Biowissenschaften bedeutsam sind: Regulation und Leben. In den gleichnamigen Artikeln, die Canguilhem Mitte der 1970er Jahre zur Encyclopaedia Universalis beigetragen hat, verbindet sich ein genealogisches Interesse an den Herkunftslinien und normativen Umwertungen dieser Begriffe mit einer philosophischen Haltung, die das Leben als Werte setzenden Prozess versteht. Canguilhems methodische Originalität zeigt sich gerade darin, dass die Frage nach den intrinsischen Normen des Vitalen nicht losgelöst von der begriffs- und wissenschaftsgeschichtlichen Arbeit behandelt, sondern aus deren eigener Dynamik heraus verstanden wird. Er verabschiedet mithin einen falschen Dualismus von Philosophie und Wissenschaftsgeschichte und führt beide Disziplinen an den Punkt, an dem sie sich gegenseitig informieren.

Georges Canguilhem (1904–1995), französischer Philosoph und Wissenschaftshistoriker, hat das Werk Michel Foucaults, Pierre Bourdieus und Alain Badious (u.a.) wesentlich beeinflusst. Zu seinen Hauptwerken gehören: Das Normale und das Pathologische (1966, dt. 1974, 1977), Études d’histoire et de philosophie des sciences (1968), Die Herausbildung des Reflexbegriffs im 17. und 18. Jahrhundert (1955, dt. 2007).

Inhaltsverzeichnis

7

Prismatische Brechungen und epistemologische Mimesis. Philosophie und Geschichte der Wissenschaften vom Leben nach Georges Canguilhem

Thomas Ebke

Leben

70

Die Genese des Begriffs

81

Die Hindernisse für eine wissenschaftliche Erkenntnis des Lebens

91

Das Leben als Animation

96

Das Leben als Mechanismus

102

Das Leben als Organisation

112

Das Leben als Information

117

Das Leben und der Tod

Regulation

126

Die Geschichte des Regulationsbegriffs in der Biologie

133

Regulation und Gesellschaft