Anna Häusler, Elisabeth Heyne, Lars Koch and Tanja Prokić

Verletzen und Beleidigen

Versuche einer theatralen Kritik der Herabsetzung

August Akademie

Anerkennungs- und Ausgrenzungskonflikte haben Konjunktur und affizieren das Theater als Schauplatz gesellschaftlicher Interaktion nachhaltig. In ihrer doppelten Funktion als ästhetischer und sozialer Raum sind theatrale Formate par excellence geeignet, Konflikt- und Eskalationsdynamiken zu simulieren. Dramaturgien der Verletzung und Beleidigung zielen auf die Exponierung von Kommunikations- und Subjektivationsprozessen. Dadurch werden theatrale Situationen innerhalb und außerhalb der Theaterinstitutionen schließlich zu Arenen und Tribunalen, zu Orten der Aushandlung und Verteilung von Sprech- und Handlungslizenzen, und sind zugleich Situationen der Kritik. Denn gerade wenn die theatrale Ordnung durch An- und Übergriffe destabilisiert oder ihre Asymmetrie ausgebeutet wird, realisiert Theater sein kritisches Potenzial. Solchen immer auch zu problematisierenden Möglichkeiten theatraler Kritik von und durch Herabsetzung geht das Autor*innenteam an exemplarischen Betrachtungen zeitgenössischer Formen von Performance-Installation, Tanztheater, Aktionskunst, theatralem Realismus und literarischem Wettbewerbsformat nach.

Anna Häusler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) des Teilprojekts K „Theater der Diskriminierung“ im SFB 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“ an der TU Dresden. Schwerpunkte ihrer Forschung sind theatrale Politiken des Affekts, Text-Bild-Verhältnisse, Fotografie-Theorie und Ereignistheorie. Zuletzt erschienen: Storyboarding. Filmisches Entwerfen (Hg. mit Jan Henschen 2017); Zeitschrift für deutsche Philologie 135 (2016), Sonderheft: Ereignis Erzählen (Hg. mit Martin Schneider).

Elisabeth Heyne ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dresden. Sie studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Französische Philologie in Berlin, Paris und Córdoba und promovierte zu „Wissenschaften vom Imaginären. Sammeln, Sehen, Lesen und Experimentieren bei Roger Caillois und Elias Canetti“. Zuletzt befasste sie sich mit ethnologischer wie literarischer Amazonassehnsucht, dem Sammeln der Leuchtzirpe, poetisierten Steinen sowie mit Verarbeitungen von Verletzbarkeit und Krankheit in der Gegenwartsliteratur.

Lars Koch ist Professor für Medienwissenschaft und Neuere deutsche Literatur an der TU Dresden und leitet zusammen mit Tanja Prokić das Teilprojekt K „Theater der Diskriminierung“ im SFB 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“. Weitere Schwerpunkte seiner Forschung sind Affekt- und Medienkulturen des Populismus (insbes. in Bezug auf Hass und Angst), Medienkulturtheorie der Störung, Gegenwartsliteratur, Populärkultur als Medium des politischen Imaginären. Zuletzt erschienen: Disruptions in the Arts. Textual, Visual, and Performative Strategies for Analyzing Societal Self-Descriptions (Hg. mit Tobias Nanz und Johannes Pause).

Tanja Prokić ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medienwissenschaft und NdL und leitet zusammen mit Prof. Dr. Lars Koch das Teilprojekt K „Theater der Diskriminierung“ im SFB 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“ an der TU Dresden. Schwerpunkte ihrer Forschung sind neue Theoriebildungen für Theater im digitalen Zeitalter, Medien- und Wissenskonstellationen der Weimarer Republik, Visuelle Kulturen des Films, Fernsehens, der Fotografie und Literatur. Zuletzt erschienen: Orson Welles‘ ,Citizen Kane‘ und die Filmtheorie: 16 Modellanalysen (Hg. mit Oliver Jahraus, 2017).