11.7., Berlin | The Labour of Enjoyment @ PsyBi

Buchvorstellung und Gespräch mit Samo Tomšič

Montag, 1. Juli 2019, 20:00 Uhr, Psychoanalytische Bibliothek Berlin | Ort für Praxis und Forschung nach Freud und Lacan e.V.

Gibt es eine Verwandtschaft von Psychoanalyse und Kapitalismus, bügelt sie seine Zerstörungen aus oder singt sie ihm das eigene Lied vor, bis er zerbröselt? Samo Tomšič hat ein Buch geschrieben, dessen Titel nicht ganz leicht zu übersetzen ist: Arbeit der Lust, Arbeitslust, Arbeitsvergnügen, Arbeit des Genusses. Der Verlag kündigt das Buch so an, wir sprechen mit ihm über sein Buch:

„Die Lust erscheint als reine Privatangelegenheit, was jedoch bei weitem nicht der Fall ist. Seit Aristoteles wird die philosophische Gesellschaftskritik von der Frage gequält, ob die libidinösen Tendenzen der menschlichen Subjekte den Aufbau einer gerechten politisch-ökonomischen Ordnung zulassen. Zunächst schien es so, als sei dieses Problem in der Moderne überwunden worden. Im Wirtschaftsliberalismus und Utilitarismus finden sich Argumentationsweisen, wonach egoistische private Interessen und soziale Gerechtigkeit direkt miteinander verbunden seien und der Kapitalismus libidinöse und politische Ökonomie auf die bestmögliche Weise vereine. Aber das politisch-ökonomische Panorama erwies sich bald als wesentlich komplexer und widersprüchlicher; eine Erkenntnis, zu der Marx’ Intervention mit seiner Kritik der politischen Ökonomie bedeutend beigetragen hat. Eine weitere kritische Wendung findet sich in der Psychoanalyse. Freuds Konzeption des Unbewussten lieferte eine neue Kartographie des politischen Raums, und seine Theorie der Libido enthüllte die Beteiligung libidinöser Apparate an der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Machtverhältnisse. Der Essay von Tomšič erinnert an diese freudschen Einsichten und umschreibt die politischen Interessen der Psychoanalyse unter dem allgemeinen Banner einer Kritik der libidinösen Ökonomie.“

Samo Tomšič promovierte in Philosophie an der Universität Ljubljana, Slowenien, und ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt Universität zu Berlin. Zu seinen Publikationen zählen: The Capitalist Unconscious: Marx and Lacan (2015) und Jacques Lacan. Between Psychoanalysis and Politics (Hg. mit Andreja Zevnik, 2015).

In Kooperation mit Riss – Zeitschrift für Psychoanalyse und August Verlag

Eintrag vom 17 June 2019